Aikido Ziele eines Senseis/Trainers/Mitschülers

Als Lehrer/Trainer/Sensei von Aikido macht man sich ständig Gedanken über Ziele, Wege und eigene Qualifikationen. Ist man mit Budo infiziert, dann steht Budo plötzlich sehr stark im Mittelpunkt seiner täglichen Gedanken und des Handelns. Sprich: man schafft sich Freiräume für Budo und verändert Prioritäten zu Gunsten von Trainingszeiten, Inhalten und Werten. Man lebt Budo und mit diesem Inhalt ändert sich das Leben stark.

Was einen als Sensei, Trainer oder als Mitschüler der ein Training leitet immer wieder bewegt, ist das Aufhören von Mitgliedern. Jetzt, da einer unserer Mitschüler gegangen ist und wir ihn nicht mehr so häufig sehen werden, fragt man sich wieder ganz bewusst nach den Zielen.

Die Aikido Ziele sind, wenn man mal unheimlich ehrlich ist (das wird man mit Budo zwangsläufig), der Spaß an der Sache. Wenn das Training keinen Spaß bereitet, dann wird man das nicht lange durchhalten. Natürlich hat jeder Mensch eine andere Definition und ein anderes Erlebnis von Aikido und dem Spaß daran. Ich behaupte, daß das ähnlich der Liebe zwischen zwei Menschen am Anfang sehr emotional in Richtung Techniken geht, während es in der späteren Zeit (der nach 2/5/7 Jahren) andere Ziele sind, die man sich selber setzt oder findet. Graduierungen sind beim Training im Shingen-Aikido-Dojo außen vor, es gibt sie nicht. Gürtelfarben können es also nicht sein, denn diese gehören in unseren Augen nicht zum Budo dazu. Wer danach strebt, der hat schon per se die falschen Ziele (das ist nur meine persönliche Meinung und ich respektiere und toleriere alle anderen ausdrücklich.).

Aikido Ziele eines Senseis

Was also kann man als Sensei einem Mitschüler auf den Weg geben? Ich denke persönlich und mit meinem jetzigen Erfahrungsstand, daß es eine Funktion als Katalysator von guten Eigenschaften bei allen Trainierenden sein sollte. Wenn man Menschen über die Jahre begleitet, dann muß man sehr saubere und aufrichtige Ziele haben, die sehr selbstlos sein sollten. Mitunter darf man sich nicht verletzt fühlen, wenn jemand mit dem Training aufhört. Jemand, der einen über mehrere Jahre begleitet hat, mit einem trainiert hat, ist immer ein Guter und es steht keinem Sensei zu, die Gründe für das Aufhören zu werten oder gar zur verurteilen. Die Gründe können nur vom Aufhörenden bewertet werden und nur dieser Mensch steckt in genau dieser Situation. Wichtig wäre, daß jemand der aufhört, es im Frieden tut und viel gelernt und mitgenommen hat.  Wichtig wäre auch, daß der Trainer oder Sensei viel gelernt hat und mitgenommen hat. Sonst bringt das alles wenig. Genau deshalb ist es in meinen Augen wichtig die Situation bewusst wahrzunehmen.

Aikido verändert den Menschen

Im Laufe der Trainings-Jahre verändert sich jeder Mensch im Budo besonders stark. Er lernt Respekt, Disziplin, Aufmerksamkeit, Mitgefühl, Handeln, Aktivität und gewinnt an Reife. Diese Veränderung ist für den Menschen selbst wenig merklich, da alles langsam wächst und wenn sich der Schüler in dem Wechsel von 2 Jahren sehen könnte, würde er sicher noch stärker empfinden, was sich verändert hat.

Und jede Beziehung unter Trainern und Mitschülern wird ähnlich wie eine Partnerschaft von Höhen und Tiefen durchzogen. Oft ist es einen Gratwanderung eine negative Stimmung beim Schüler zu erkennen und mit Humor oder Motivation jeglicher Couleur aus diesem Tal zu führen. Es gibt viele Aufgaben wenn man vorne steht, die ähnlich sind wie die der Schüler, aber auch ein paar ganz andere. Und die Aufrichtigkeit und Zielsetzung des Lehrers ist entscheidend für den Erfolg des Trainings aller. Es ist eine Aufgabe, bei der man sehr schnell reifer wird, präziser wird und Gedanken lesen lernt.

Welcher Aikido-Lehrer hat nicht schon all die Ausreden gehört, die jemand findet, wenn mit dem Training unzufrieden ist und aufhören möchte. Es werden Krankheiten herbeigezogen, wichtige Termine, Verwandte, Zeitmangel, neue Lebensaufgaben und ähnliches mehr. All das ist oft Ausdruck von Unzufriedenheit, für die irgendein Grund herhalten oder herbeigeführt werden muß. Das geht in der Regel immer so weit, daß der Schüler die Gründe selber glaubt, die er findet, um sich aus dem Training zu verabschieden. Ganz oft endet diese Begründungssuche in einer Abwehrhaltung oder schlimmer noch in einer Ablehnungshaltung ähnlich einer Pubertät. Ein ganz normaler Vorgang, wie ich finde, denn (fast) jeder muß irgendwann einmal auch mit dem Aufhören beginnen. In meinen Augen ist es immanent diesen Vorgang bewusst zu machen und ihn nicht verhindern zu wollen. Zu oft nur spielt das Ego des Senseis genau zu diesem Anlaß allen Beteiligten einen Streich. Das Ziel ist aber doch ein reifer Mitschüler, der in die Welt geht und etwas von der Lehre, Reife und Liebe weiter gibt.

Es bedeutet im Umkehrschluß nicht, daß man nicht traurig sein darf, wenn sich Wege trennen. Aber man muß sich darüber klar sein, daß jeglicher Weg ein Ende findet und muß wissen, warum man den Weg geht.

Aber um es auch ganz klar zu sagen: westliche Undankbarkeit für die Inhalte und die Energie, die ein Lehrer in die Schüler gesteckt hat, sind fehl am Platz. Jeder Schüler muß sich immer wieder klar machen, welche Anstrengungen sein Lehrer für ihn unternimmt oder unternommen hat. Undankbarkeit ist da nie richtig und darf nicht als Erinnerung übrig bleiben. Gerade deshalb sind Eltern, die nur ihre Kinder beim Training abgeben, sich aber nicht um die Inhalte und Ziele des Dojos kümmern, auch keine Kooperation mit dem Lehrer suchen, auf dem absoluten Holzweg.

Aikido ist Unternehmensberatung pur

Oft erwähne ich, daß es hochdotierte Unternehmensberater gibt, die Dinge wie Management oder Aufmerksamkeit für viel Geld unterrichten. Das ist durchaus legitim, auch wenn sich bei solchen Trainings oft nur Motivationscharakter einstellt, denn Aufmerksamkeit, Disziplin, Management, Mitgefühl kann man nicht theoretisch lernen, sondern es muß mit Hilfe vieler hunderter und tausender Trainings manifestiert werden. Das sind Dinge, die gelebt werden müssen und die man beim Aikido lernen kann. Deshalb ist Aikdio von der technischen Seite eben auch das Vehikel für eben solche Entwicklungen. Noch dazu ist die Etikette deshalb so ein wichtiger Punkt im Training. Und deshalb ist Aikido in Japan so hoch angesehen, daß man eine Management-Position mit dem langjährigen Üben von Aikido bevorzugt bekommt. Jedem Entscheider in Japan ist ganz klar, welche Vorteile und Stärken ein solches Training für das Leben hat und deshalb werden Menschen mit Budoerfahrung in Japan bevorzugt für hohe Aufgaben eingestellt. Umso erstaunlicher, daß die europäische Welt in dieser Hinsicht nur sehr unzureichend unterrichtet ist und Budo/Aikido immer noch nicht kennt. Uns allen tut es gut, Know-how, Budo und andere Kulturen und Vorzüge offen aufzunehmen, sie kennen zu lernen und bei entsprechender Liebe zu leben.

Es würde mich ausgesprochen freuen, wenn viele Kommentare und offene Antworten, gar Kritik zu diesen Gedanken von Mitschülern geschrieben würden.

2 Kommentare

  1. Peter Roskothen

    Auch sechs Wochen nach der Veröffentlichung gibt es noch keine Kommentare zu diesem Artikel. Ich frage mich immer noch, wie das ankommt und ob da grobe Denkfehler sind. Oder ist es zu einfach gedacht?

  2. Hallo Peter,
    schöner und vorallem interessanter Artikel. Da aus einer Sicht geschrieben ist, die man als Schüler nicht hat.
    Schüler sind wir alle im Laufe unseres Lebens schon oft und gewesen. Doch Lehrer nie oder nur kurz.

    Du listest auf was für Prioritäten und was für Ausreden es gibt.
    Vorallem wie es sich verhält, wenn jemand aufhört.

    Als Schüler versteht man oft nicht warum ein Lehrer so reagiert wie er reagiert auf eine Situation die für uns neu ist.
    Oft resultiert ein verwunderliches Verhalten eines Lehrers aus der Tatsache, dass er es schon x-mal erlebt hat und sich sehr oft Gedanken über Situationen gemacht hat, die ein Schüler nur ein paarmal durchlebt.
    Dies kann sich für einen Lehrer und Schüler mal positiv mal negativ äussern.
    So kann ein Verhalten, welches uns als Schüler harmlosvorkommt, tiefen Schmerz beim Lehrer verursachen.
    Und ein Verhalten, wo wir den Kopfeinziehen, ein heiteres Lachen auslösen.

    Wodrin unterscheiden wir uns als Schüler noch von unseren Senseis bis auf die Erfahrung?
    Peter, du hast die Prioritäten eingebracht. Als Leherer muss man den Unterricht sozusagen als erste Stelle zur Unterrichtszeit haben. Das ihr euch vorher Gedanken gemacht hat was ungefähr ablaufen soll wird als selbstverständlich genommen.
    Ohne Lehrer und Unterrichtsstoff kein Unterricht!

    Wenn ich als Schüler fehlt geht der Unterricht unverhindert weiter. Somit ist die Verpflichtung eines Schülers nicht so hoch in seinen Augen dort zu sein wie die des Lehrers. Zudem braucht man als Schüler nur zu konsumieren. Doch auch ohne Schüler kein Unterricht!!!

    Das schöne am Schüler sein ist? – Es gibt genug andere Schüler die hingehen und somit den Unterricht stattfinden lassen. Fehlen wir mal, dann können wir sicher sein, dass beim nächstenmal dennoch alles beim alten ist und der Lehrer auf der Matte steht.

    Nun kommt das Gemeine für den Lehrer:
    Wenn der Lehrer einmal Absagt, bin ich als Schüler ganz offen und ehrlich enttäuscht. Denn ein Lehrer hat doch dazu sein, wenn Unterricht ist sonst fällt es komplett aus! Schöne Subjektivität ^^
    Macht dies ein Lehrer mehrmals, was dann? – Viele Schüler sind enttäuscht und kommen nicht. Sparen sich die Zeit. Der Unterricht stirbt sozusagen. (Deshalb schon sind die Prioritäten verschieden)

    Wie fühlt sich ein Leherer, wenn ein Schüler nicht kommt?
    Wie wenn viele Schüler nicht kommen?
    Wie wenn kein Schüler kommt?
    Wie wenn dies regelmässig ist?
    Ich weiß es nicht, denn ich bin Schüler.

    Doch wenn ich mir dies als Lehrer vorstelle, kann dies hart sein. Das komplette Aufhören von Schülern ist da vermutlich nur die Spitze des Eisbergs für einen Lehrer.

    Und da schreibst du Peter:
    Wenn man Menschen über die Jahre begleitet, dann muß man sehr saubere und aufrichtige Ziele haben, die sehr selbstlos sein sollten. Mitunter darf man sich nicht verletzt fühlen, wenn jemand mit dem Training aufhört.

    Und diese Einstellung halte ich für sehr nobel. Doch wie lange schafft es ein Lehrer so selbstlos zu sein?
    Ich bin der Auffassung, dass Menschen nicht vollkommen selbstlos handeln. Das bedeutet für mich es muss auch etwas geben was uns Antreibt. Uns Schüler treibt vorallem der Spaß an, der Spaß etwas neues zu lernen , uns zu bewegen und sportlicher zu werden.
    Deinem Artikel entnehme ich, dass es als Lehrer die größte Freude ist, den Schülern etwas bei zu bringen.
    Dafür müssen Schüler mitziehen.

    Was ist wenn Enttäuschung größer wird als die Freude? – Dann steht man wohl an einem sich zweigenden Weg.
    Aufhören oder weiter machen….

    Wie oft sehen Lehrer einen Schüler aufhören? – x-mal?
    Wie oft sieht der Schüler seinen Lehrer aufhören? – Einmal!

    Danke an euch, Peter und Geraldine, dass ihr zuverlässig zum Training kommt und nicht einmal Aufgehört habt.
    (Und dieser Dank, da bin ich mir sicher, kommt von allen euren Schülern!)

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