Wissen und Können in der Kampfkunst

Der griechische Philosoph Platon (um 428 bis ca. 347 v. Chr.) definierte ‚Wissen‚ als die Summe der als wahr gerechtfertigten Meinungen. Auf die Kampfkünste übertragen wäre ‚Wissen‘ demnach z.B. die Erkenntnis, wie eine Technik auszuführen ist, welche Fehler zu vermeiden sind und wie die Technik optimiert werden kann. Der Begriff ‚Wissen‘ bezieht sich hierbei stets auf eine rein theoretische Begabung.

Können

Unter ‚Können‚ versteht man hingegen die Befähigung eine bestimmte Tätigkeit auszuführen. In dem hier geschilderten Zusammenhang ist ‚Können‘ dann die Fähigkeit, das zuvor erlangte Wissen in einer praktischen Handlung umzusetzen. Dies bedeutet z. B. die Anweisungen und Ratschläge des Trainers zu befolgen, um so durch beständiges Training die Fehler in der Technikausführung zu korrigieren.

Genau an dieser Stelle liegt nun das Problem: Während ‚Wissen‘ in früheren Zeiten stets nur innerhalb des Trainingsprozessen vom Lehrer an den Schüler vermittelt wurde, ermöglichen die heutigen Informationsstrukturen nahezu jedermann auch außerhalb des Dojo die schnelle Erlangung von Auskünften und Meinungen, sowie die Unterteilung dieser in ‚richtig‘ oder ‚falsch‘.
Die Erlangung von Wissen ist somit mittlerweile bedeutend einfacher, als jemals zuvor; Und dies ist überaus wichtig für die gesamte Verbreitung und Weiterentwicklung der Kampfkünste. Wissen ist immer die Vorstufe des Könnens und somit im Lernprozess unerlässlich. So muss man eine Technik zuerst einmal kennen, um sie erlernen und meistern zu können.

Kampfkunst

In der heutigen Zeit wird die Kampfkunst immer mehr verkopft. Viele Leute verfügen über ein ansehnliches Wissen, aber am Können happert es gewaltig. Vor 40 Jahren galten noch 100000 Wiederholungen im Jahr (einer Technik) für unerlässlich um sein Niveau zu wahren, heute sollen 10 pro Training ausreichen!???

Die meisten Kampfkünstler haben immer noch nicht verstanden, das alleine die im Praktizieren, Üben des Budo, erlangten Erkenntnisse wichtig im Sinne des Do sind, und nicht die durch Nachdenken und Anhäufung von Wissen!! Ganz im Gegenteil, ständiges nachdenken, drüber reden und die dadurch gewonnenen Rückschlüsse zerstören das Do.

Der Weg ist nicht das Ziel (obgleich er genauso wichtig ist, vielleicht sogar wichtiger), das Ziel ist die Erleuchtung; nur vielen ist nicht bewusst, das das „Wie“ entscheident ist.

Für einen wahren Budo-Ka gibt es nur einen Weg: üben, üben, üben; Erkenntnisse werden sich von selbst einstellen. Ein Mondo (ein Gespräch zwischen Lehrer und Schüler, bei dem der Schüler auch vielleicht eine Frage stellen darf) findet eigentlich einmal im Jahr statt, und das auch nur mit Schülern, bei denen man weiss das ihre Erkenntnisse durch üben gewonnen wurden.

 

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